blondeSchlumpfine

Montag, September 19, 2011

Pascal Mercier: Lea






In dieser Novelle erzählt ein Vater, Martijn van Vliet, einem Fremden die Geschichte seiner Tochter Lea, die, nachdem sie ihre Mutter im Alter von acht Jahren verloren hat, durch das Geigenspiel den Lebensmut wiederfindet. Am Bahnhof ist sie fasziniert von einer blass geschminkten Geigerin, bald darauf kauft ihr der Vater eine Geige, sie nimmt Unterricht bei Marie Pasteur und entfremdet sich durch ihr leidenschaftliches Spiel vom Vater; auch dadurch, dass Marie zur Ersatzmutter wird. Die ersten Aufritte folgen und der Vater bemerkt, wie Lea manchmal Worte verwechselt oder sogar bei einem Auftritt das Musikstück durcheinander bringt. Mit dem neuen Geigenlehrer Levy, in den sich Lea verliebt, entfremdet sich die Tochter noch mehr vom Vater, auch Marie wird keine Beachtung mehr geschenkt. Von Levy bekommt Lea eine Amati, die sie aber zu zerstören droht, als er ihr seine Braut vorstellt. Sie fällt in ein tiefes Loch und der Vater veruntreut Forschungsgelder, um in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Guarneri del Gesù von Signore Buio zu erwerben: sie einigen sich auf ein Schachspiel. Wenn Martijn gewinnt, bekommt er die Geige umsonst, anderenfalls muss er Mille Milliones Lire zahlen (was immer noch billig für eine Geige aus 1734 ist). Er verliert, doch die neue Geige haucht Lea wieder Leben ein, sie ist viel unterwegs und absolviert Auftritte. Nach einem Konzert bittet der Mann an der Rezeption, ob er sie nicht spielen hören dürfe, da er ja das Konzert verpasst hatte. Lea spielt ein paar Takte, dann ist es aus und sie zerschellt die Geige am Ende des Handlaufs der Treppe.Sie bricht zusammen, ist ein Jahr in Behandlung und wird danach Krankenschwesterschülerin. In der Zeit hat sie keinen Kontakt zum Vater, der such wegen Veruntreuung selbst stellt und zu 18 Monaten Bewährung verurteilt wird. Kurz danach lernen einander Martijn und der Fremde, Adrian Herzog, der in Scheidung lebt, auch Naturwissenschaftler ist, kennen und verbringen einige Tage zusammen, in denen Martijn sein Herz ausschüttet. Ein paar Tage darauf hat Martijn einen tödlichen Verkehrsunfall; der Fremde hatte zuvor schon bemerkt, dass er, immer wenn LKWs entgegenkommen, das Steuer loslässt. Lea stirbt noch vor ihrem Vater: Der Leser vermutet, sie habe sich während der Nachtschicht aus dem Giftschrank bedient.

Ein interessantes und verstörendes Buch über eine zufällige Bekanntschaft zweier Männer, die innerhalb kürzester Zeit zu Freunden/ Seelenverwandten werden, die die Gedanken des anderen wortlos verstehen. Martijn nimmt die Position des Erzählers ein, während der Fremde, aus dessen Sicht das Buch erzählt wird, eine beschützende Rolle innehat, fährt, sich Sorgen um Martijn macht. Leas Tod ist zwar unterschwellig ein häufiges Thema, wird aber nicht konkretisiert. Martins Tod kommt überraschend.

Gelesen im September 2o11

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